AnGedacht


Herr, all mein Sehnen liegt offen vor dir, mein Seufzen war dir nicht verborgen. Ps 38,10

 

Liebe Freunde, Geschwister, Leser,

 

was für ein Monatsspruch für den Oktober!

Ich denke gerne an bunte Blätter, Waldspaziergänge und Pilze. Wer Kinder im Kindergarten oder in der Grundschule hat, hat Bastelaktionen mit Kastanien und Eicheln oder Laterne-Läufe im Kopf. Andere freuen sich auf die großen anstehenden Notwendigkeiten im Garten.

 

Aber so ein seufzender Monatsspruch? Vielleicht lassen wir uns einfach mal kurz darauf ein: Worüber seufzen wir so? Letztens ist mir abends auf dem Sofa so ein tiefer Seufzer herausgerutscht, und ich wurde gefragt: „Was ist denn los?“ – Nanu, dachte ich; eigentlich ist ja gar nichts, worüber man seufzen müsste. Da habe ich einfach an das gedacht, was den Tag über passiert ist, und der Seufzer war einfach ein „Geräusch des inneren Verarbeitens.“

Manche seufzen oder Stöhnen allerdings, weil da wirklich etwas ist, was ihnen Sorge bereitet. Oder Schmerzen. Wo Vorstellungen und Wünsche unerfüllt bleiben.

Und dann gibt es noch ein „sehnendes Seufzen“, wenn man alte Urlaubsalben anschaut – oder sich auf ein größeres Event oder eben einen Urlaub freut. Da wird der Seufzer aber oft von einem sehnsüchtigen Lächeln umrahmt.

In Psalm 38 stöhnt jemand, dem sein ganzer Lebensweg tiefe Schmerzen zugefügt hat, ja vielleicht sogar körperliche Schmerzen. Anstatt seinen Schmerz aber an anderen auszulassen, kommt er damit zu Gott und bittet: Verlass mich nicht! Hilf mir! Ich komme mir vor wie bestraft!

 

Klage ist erlaubt. Auch über die schwierigen Erlebnisse unseres Lebens, die schweren Situationen, die einen manchmal seufzen lassen. Psalm 38 macht es vor, und es tut fast weh, ihn zu lesen, so wie da jemand leidet. Gut, dass unsere Klage eine Adresse haben darf. Und dass in dieser Klage schon Hoffnung enthalten sein darf, wie es hier in V. 7 heißt: „Denn auf dich, HERR, harre ich; du, du wirst antworten, Herr, mein Gott.“

 

Denen, die klagen (und Grund dazu haben), wünsche ich, dass ihre Klage bei Jesus ein Zuhause findet, denn wer wüsste besser, wie sich Leid und Schmerzen anfühlen? Und dass seine Hoffnung in ihr Herz einkehrt, dass er helfen kann.

 

Denen, die seufzen (und keinen wirklichen Grund dafür haben), wünsche ich, dass Jesus die innere Einstellung verwandelt – weg von der Beschwerde hin zur Dankbarkeit.

 

Und denen, denen es wirklich gut geht, die sich auf den kommenden bunten Herbst freuen, wünsche ich, dass sie ihre Freude und Dankbarkeit Gott gegenüber behalten und anderen, denen es nicht so gut geht, ein bisschen Freude und Aufmerksamkeit abgeben können!

 

Einen gesegneten Herbst wünscht Euch

 

Thomas Schulze